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Patrick Guilbaud**, Dublin (IRL)


Irisch-Französische Herzlichkeit

Wenn man durch Dublin schlendert, denkt man gewiss eher an Stout-Bier in einem urigen Pub, als an französische Spitzenweine in einer edlen Fine-Dining-Location - so auch ich.

Doch sobald man die lauten, wuseligen Touristenstraßen und Pub-Viertel verlässt, wird es sehr schnell ruhig, bodenständig und elegant. Man hat unweigerlich das Gefühl, die Stadt verlassen zu haben, befindet sich aber immer noch im Zentrum. Das schätze ich sehr an dieser vielseitigen Stadt mit ihren tollen Pubs und Restaurants.

Ein gastronomisches Urgestein dieser Stadt ist das Restaurant Patrick Guilbaud, welches seit 1996 mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist - als bisher einziges Restaurant auf der irischen Insel.

Direkt am luxuriösen The Merrion Hotel gelegen, reiht sich Gourmetrestaurant unauffälig in das historische Gebäude ein. Lediglich die rote Plakette mit zwei Macarons neben der schwarzen, schweren, hölzernen Eingangstür sticht ins Auge.

Ich habe für 12:30 Uhr reserviert und stehe zehn Minuten vorher vor verschlossener Tür. Erst 12:29 Uhr öffnet sich die schwere Eingangstüre und eine Traube uniformierter, herzlicher Leuten umschwärmt mich.

Weniger als zwei Minuten später finde ich mich schon in einem geschmackvoll eingerichteten Kaminzimmer wieder, wo die Menüauswahl getroffen werden kann und ein Aperitif gericht wird. Alles ist sehr angenehm arrangiert. Da mein Flugzeug in nur etwas mehr als drei Stunden später abheben wird, entscheide ich mich für die kurze drei Gänge Variante (Lunch Set Menu, € 63,--) und einen alkoholfreien Aperitif (Holunderblüte / Minze und Soda, € 10,--).  Nach und Nach treffen weitere Lunch-Gäste ein.

Ich werde direkt in den großen, edlen Gastraum gebracht, wo bereits acht Kellner auf die eintreffenden Gäste warten. Ein derart große Service-Besatzung ist mir bis jetzt noch nicht untergekommen. Da ich der erste Gast im Gastraum bin , und die anderen Gäste noch im Kaminzimmer ihren Aperitif genießen, erkundigen sich unweigerlich alle Kellner nach meinem Befinden und erklären mir, wie sehr sie meine Anwesenheit schätzen - da kann man schon fast peinlich berührt erröten. In Summe aber natürlich auch ein netter Zeitvertreib bis das Essen startet.

Und es geht direkt los mit einer imposanten Auswahl an exzellentem, hausgebackenem Brot mit irischer Butter.

Als Amuse Bouche folgt direkt ein Servierbecher mit Blumenkohl-Püree, Muscheln, Curry (-Öl), Mandeln und Quinoa. Geschmacklich hervorragend und toll abgestimmt. (16,5 / 20 Punkte)

Es geht (wunschgemäß und zeitbedingt) schnell mit dem ersten Gang los, welcher aus einem perfekt pochierten Ei (Rhode Island Soft Poached Egg) mit Morcheln, Vin Jaune und wildem Lauch besteht. Auch bei diesem Gang fallen die tolle Feinjustierung der Aromen und das exzellente Handwerk auf.  Der Teller ist absolut zugänglich, süffig und eine kulinarische Offenbarung. Große Klasse!  (17,5 / 20 Punkte)

Fein gezupftes, saftiges Kalbshaxen-Fleisch, Zwiebeln (aus Cévennes), wilder Brokkoli und grober Senf wird als Hauptgang serviert. Hinzu kommt ein herrlich buttriges Kartoffel-Püree. Auch dieses Gericht ist fantastisch intensiv gewürzt. Das milde, süßliche Zwiebelpüree und ein intensiver Jus harmonieren perfekt miteinander. Das gezupfte (in Form gebrachte) Kalbsfleisch schmeckt schön pfeffrig und intensiv. Das Kartoffel-Püree ist eine Klasse für sich (jedoch nicht ganz so gut, wie das von Joël Robuchon :-)). Insgesamt ein toller Teller!

(17,5 / 20 Punkte)

Als Dessert gibt es Café au Lait mit Chicorée-Granitée und Meringue. Der eher unscheinbaren Optik des Desserts, steht ein wiederum perfekt abgestimmtes Geschmacksbild gegenüber - wesentlich weniger komplex als vermutet.  Das Granitée ist als fragile Scheibe über eine leckere Creme und ein Meringe gelegt. Eine tolle Kombination aus süßen Café, - Karamell- und Schokoladennoten mit der leichten Bitterkeit des Chicorée. Ein gelungenes Dessert! (17 / 20 Punkte)

Zum Espresso gibt es noch exzellente Petit Fours (Passionsfrucht-Macaron, Himbeer-Törtchen und Zitronentörtchen), welche den Abschluss eines mehr als überzeugenden Menüs bilden. (18 / 20 Punkte)

Nach dem Café kommt Patrick Guilbaud noch persönlich an meinen Tisch um ein Schwätzchen zu halten. Selten habe ich den Service in einem Restaurant auf vergleichbarem Niveau erlebt. Die Herzlichkeit und professionelle Coolness des Services war für mich nahezu einmalig. Auch das Menü war mehr als überzeugend. Zufrieden und gesättigt begebe ich mich jetzt direkt zum Flughafen. Ich komme definitiv wieder, aber dann zu acht Gängen, soviel ist sicher! Beannacht und au revoir!

fazit:

Das Restaurant Patrick Guilbaud verblüfft den Gast mit exzellenter Küche und herzlich engagierten Service. Hier wird noch beherzt mit Aromen und Gewürzen umgegangen. Die Küche besticht zudem aus einer souveränen Gradwanderung zwischen klassischer und moderner, französischer Küche. Chapeau Monsieur Guilbaud!

 

Gesamtpunktzahl: 17,3 Punkte


Weitere Informationen:

Adresse: Restaurant Patrick Guilbaud
   21 Merrion Street Upper, Dublin 2, D02 KF79, Irland
  https://restaurantpatrickguilbaud.ie
   
Öffnungszeiten: Dienstag  -Freitag 12:30 - 14:00 h (Lunch) / 19:00 - 21:30 h (Dinner)
  Samstags 13:00 - 14:00 h (Lunch) / 19:00 - 21:30 h (Dinner)
   
Datum des Besuchs: 15.03.2019
   
Chef de Cuisine: Guillaume Lebru (Executive Chef) / Patrick Guilbaud (Patron)
   
Kosten: Lunch-Set Menu (3 Gänge) € 63,--
  8 Gänge Tasting Menu € 203,-- / 4 Gänge Degustation € 135,--
   
Bewertungen: 2 Sterne (Guide Michelin UK & Ireland 2019)